Herrenhaus Kasel




Das Herrenhaus Kasel, auch häufig Schloss Kasel, zuvor Schloss Casel genannt, ist ein ehemaliger Herrensitz, zuletzt in gutsherrschafflicher Nutzung der Familie zu Solms-Baruth. Das ehemalige Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert befindet sich in Kasel, Teil der 1926 gebildeten Doppelgemeinde Kasel-Golzig, einer Ortschaft im Landkreis Dahme-Spreewald im Land Brandenburg.
Lage
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das alte Herrenhaus in Kasel, früher durchweg Schloss Casel tituliert, steht nördlich von der Dorfkirche Kasel-Golzig. Im benachbarten Ortsteil Golzig befand sich ebenfalls ein Rittergut, mit altem Gutshaus, im Kern aus dem 16. Jh.,[1] westlich am dortigen Ortsrand, ein zweigeschossiger Putzbau mit Walmdach; heute nur in den Grundmauern erhalten. Um 1824 war dieses Gebäude noch von einem Wassergraben umgeben[2] und wurde gleichso ein Teil der Solms`schen Standesherrschaft Baruth-Golßen.
Architektur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der stattliche klassizistische Schlosskomplex Kasel wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Bauherr war Friedrich Carl Leopold Reichsgraf (Graf) zu Solms-Baruth (1757–1801), Erbherr auf Casel und Golzig.[3] Er war der einzige Sohn der Großgrundbesitzers Friedrich Gottlob Heinrich Graf zu Solms, der jahrelang weltmüde ausschließlich in der Nähe von Baruth auf der Jagd war und die Einsamkeit suchte, 1786 aber in Paris starb. Das Herrenhaus Kasel war in der Mitte des 19. Jh. nicht durchweg bewohnt, die Herrschaft[4] lebte größtenteils im Schloss Baruth. In früheren Zeiten wiederum war Kasel sogar der Sitz der Gutsherrschaft, mit Ausnahme der Solms-Güter in Schlesien.[5]
Der zweigeschossige Putzbau auf hohem Sockel mit Wirtschaftsräumen und für Nebengelasse hat 13 Achsen und ist mit einem Mansardwalmdach gedeckt. Zum Portal im Piano nobile führt parkseitig eine imposante zweiläufige Freitreppe mit Balustergeländer. Die zugehörige einstige Orangerie wurde mehrfach verändert. Neben der Orangerie wird namentlich in späterer Zeit ein Marstall erwähnt. Die alte Innenausstattung vom Barockschrank aus Eiche über das Altargemälde aus dem Ende des 15. Jh. zum Ölgemälde mit dem Thema Moses war nicht einheitlich. In den 1910er Jahren waren Teile ursprünglich aus Schloss Golßen stammend. Östlich vor dem Schloss stellt sich ein Vorhof-Ensemble mit ehemaligen Kavaliershäusern des damaligen Gutes dar. Links und rechts befinden sich zwei zweigeschossige Fachwerkbauten, im Alter etwa dem Gutshaus gleichgestellt und als Gärtnerwohnung genutzt, in Details in unterschiedlicher Ausführung. Zum Komplex gehört noch ein klassizistisches Wohnhaus von um 1800 mit Veränderungen nach 1950. Weitere Nebengebäude wie Geräteschuppen und Wärterhäuschen ergänzten das Ensemble. Die Schlossanlage wurde von einem Park umschlossen, der über einen Haupteingang zugänglich war.
Geschichte
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Über einen oder mehrere Herrenhaus-Vorgängerbauten in Kasel ist wenig bekannt. Lediglich zu 1740 gibt es seitens der Familie von Uttenhofen als Zwischenbesitzer über zwei Generationen einen Hinweis zu einem Lustgarten in Kasel. Des Weiteren vermachte Johann Siegmund von Uttenhofen (Uttenhoff) testamentarisch seiner Tochter eine Stube im Obergeschoss. Früher bestanden in Kasel im Gegensatz zu Golzig (dort gab es immer nur ein Rittergut) einst zwei eigenständige Rittergüter, das ehemals v. Löbenschen und das v. Glaubitzschen Ant(h)eils. Vermutlich handelt es sich um die im Dorf aufgezeigten zwei Vorwerke, des Weiteren eine Ziegelei und eine Windmühle.[6]
Die Familie von Zeschau, auch von Zeschow geschrieben, vereinigte beide Kaseler Besitze und veräußerte dieses Gesamtgut dann 1764 an die Grafen zu Solms in Baruth, an den genannten Friedrich Gottlob Heinrich Graf zu Solms. Das Gut Golzig wurden 1793 von den Solms übernommen.[7]
1863 fanden erste bauliche Maßnahmen statt. 1867 bestand der Gutsbezirk Kasel aus zwei Wohnplätzen mit vierzehn Wohngebäuden, die Gesamtbewohneranzahl betrug 116. Zu Beginn der standardisierten Veröffentlichungen zu Rittergütern, also 1879, liegen für Kasel die genauen Daten vor. Das Rittergut Kasel hatte eine Größe von 442,57 ha und wurde zu jener Zeit von Schloss Baruth aus verwaltet.[8] Zwischenzeitlich gehörte Kasel dem jeweiligen Nebenbesitzer von Klitschdorf. Von etwa 1907 bis 1920 bewohnte der Rittergutspächter Eberhard Graf von Kalckreuth mit seiner Frau Anna geb. von Lochow-Petkus, Tochter des weltberühmtem Pflanzenzüchters Ferdinand III. von Lochow, Schloss Kasel.[9] Einige ihrer Kinder wurden hier von 1908 bis 1919 geboren.[10] Bis nach 1914 gehörte das südlich gelegene 525 ha-Rittergut Kreblitz zum Besitz um Golßen und Kasel.
In Kasel leitete ab etwa 1920 der Rittmeister d. R. Hans Graf zu Solms–Baruth (1893–1971) die Gutsgeschäfte[11] für seinen älteren Bruder, den Fürsten Friedrich III. zu Solms–Baruth (1886–1951), auf Baruth, Golßen, Kasel–Golzig.[12] Für seinen Hauptwohnsitz Klitschdorf in Niederschlesien war ein Generalbevollmächtigter eingestellt. Mit der Eingemeindung der Gutsbezirke in der Provinz Brandenburg 1927/1928 waren diese Gutsbezirke in Kasel und in Golzig keine eigenständigen Ortschaften mehr. In Golzig saß die Verwaltung der Landwirtschaft für Schloss Kasel. 1935 lebten 393 Einwohner in Kasel-Golzig, dem Sitz der eigenen Gutsverwaltung, in Golzig die meisten Gutsarbeiter, im Schloss Kasel Graf zu Solms und die Familie von Walter Jüngling.[13]
Graf Hans erlebte mit seiner Frau Caroline-Mathilde, geborene Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1894–1972), und den beiden Kindern glückliche Jahre im Herrenhaus. 1942 fand auf Schloss Kasel sogar eine große Hochzeit statt, die Tochter Viktoria-Luise heiratete den Prinzen Friedrich-Josias von Sachsen-Coburg-Gotha.[14]
Im Sommer 1944 änderte sich alles, als der Gesamtbesitz der Familie zu Solms–Baruth mehr oder minder unter NS–Zwangsverwaltung[15] fiel, respektive der Fürst nach einer Haft im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli seinen eigenen Besitz nicht mehr betreten durfte. Schloss und Rittergut Kasel, mit dem Rittergut in Golzig, Schloss Golßen und Besitz und Schloss Baruth mit Begüterungen wurden faktisch schon vor 1945 enteignet. Dies betraf auch Schloss Klitschdorf und das dortige Gut in Schlesien.
Zur Zeit der DDR waren in Schloss Kasel wie in allen anderen ehemaligen Herrensitzen verschiedene Nutzungen zu konstatieren, u. a. eine Schule, ein Landschulheim und eine Station der Jungen Pioniere. Die Orangerie wurde 1950/1970 umgebaut. Bereits nach 1980 wurde ein Nebengebäude restauriert, 1993 das Herrenhaus. Im 21. Jahrhundert wird das Bauwerk wieder privat genutzt.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Gerhard Vinken, Barbara Rimpel, und viele andere: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Brandenburg. 2. Auflage, Hrsg. Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 526 f.
- Gerhard Vinken, u. v. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Brandenburg. 1. Auflage, Hrsg. Georg Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03054-9, S. 495 f. S. 526–527.
- Vinzenz Czech, Christiane Salge: Kasel. In: Peter-Michael Hahn, Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.; Band 2, Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 297–300.
- Gotz von Houwald: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band 5: Kreis Luckau. In: Bibliothek familiengeschichtlicher Quellen. Band 37, Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1996, ISBN 3-7686-4145-7, S. 242–255.
- Georg Piltz: Kunstführer durch die DDR. Sonderausgabe-Lizenz Urania-Verlag Leipzig/Jena/Berlin; Gondrom, Bindlach 1990, ISBN 3-8112-0449-1, S. 177.
- Alfred Kulke: Das Rittergut Kasel, Kreis Luckau und seine Besitzer. (Mehrere Aufsätze 2–4/1931, 2/1934). In: Der Heimatwanderer. Beilage der Luckauer Kreis-Zeitung. Jahrgang 15-1/1939, Hrsg. Heimatverein des Kreises Luckau, Luckau 1939.
- Hans Joachim Helmigk: Märkische Herrenhäuser aus alter Zeit. Hrsg. Im Auftrag der Historischen Kommission f. d. Provinz Brandenburg u. d. Reichshauptstadt Berlin, Verlag Ernst Wasmuth AG, Berlin, Potsdam März 1929, S. 80–81.
- Wilhelm Jung, Willy Spatz: Die Kunstdenkmäler des Kreises Luckau. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Band V, Teil 1, Hrsg. Provinzialverband Brandenburg, Vossische Buchhandlung, Berlin 1917, S. 47., Abb. 43, 44, 45, 46.
- Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schatullgütern, nebst begl. Text. Band 3, Selbstverlag, Berlin 1860, Litho und Textblatt 135.
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- TU Berlin | Architekturmuseum | Plansammlung Eduard Knoblauch:
- Nachlass Johannes Paschke: BLHA-Rep 16 Paschke (2110704), Fotos aus etwa 1930–1931:
- Günter Scheike-Motiv: Kasel-Golzig, Gut / Schloss Mitte 1961 bis 1972
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Herrenhaus, Park (1740) und Vorfahrt, eingefasst von zwei Wohnhäusern (wie Wohnhaus aus 1751/1800) und Orangerie (1800/1820) Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09140126 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Wohnhaus Gutshof: Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09141037 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Orangerie Gutsareal: Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09141038 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Schlosspark Kasel: Eintrag zur Denkmalobjektnummer 09141039 in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Die Familie d. Friedrich 3. Fürst zu Solms-Baruth (1886–1951) - Bildmaterial (Klitschdorf)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Alle Burgen Datenbank-Index: Gutshaus Golzig.
- ↑ Vgl. Ines Spazier: Mittelalterliche Burgen zwischen Mittlerer Elbe und Bober. In: Jürgen Kunow (Hrsg.): Forschungen zur Archälogie im Land Brandenburg. 6; Hrsg. Brandenburgisches Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte, Selbstverlag Hrsg., Wünsdorf 1999. ISBN 3-910011-15-2.
- ↑ Rudolph zu Solms-Laubach: Geschichte des Grafen- und Fürstenhauses Solms. E. Adelmann, Frankfurt am Main 1865, S. 453.
- ↑ O. T. von Hefner, A. Maximilian Gritzner, Ad. M. Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Neu-Auflage, Band I/3 (Abt.)-Hoher Adel: Die mediatisirten Fürstengeschlechter in Deutschland. Bauer und Raspe Emil Küster, Nürnberg 1878, S. 58.
- ↑ Genealogisch-historisch-statistischer Almanach auf das Jahr 1846. Jahrgang 23/N.F. Jahrgang 1, Landes-Industrie-Comptoir, Weimar 1846, S. 529.
- ↑ Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O. 1844. G. Harnecker, Frankfurt a. O. 1844, S. 150.
- ↑ Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, Verlag Adolph Müller, Brandenburg a.H. 1856, S. 634.
- ↑ P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. In: Erstausgabe eines Buches zum Besitz. 1. Auflage. Nicolaische verlags-Buchhandlung (R. Stricker), Berlin 1879, S. 120–121, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de). EDOC-HU-Berlin.
- ↑ Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. [1914]. Verzeichnis. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach`sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 312–313.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. 1917. Jahrgang 90, Justus Perthes, Gotha, 8. November, [S. 151.]
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Fürstlichen Häuser. (Hofkalender). 1942. Ab. II, Jahrgang 179, Justus Perthes, Gotha November 1941, S. 320 f.
- ↑ Gottfried Graf Finck v. Finckenstein, Christoph Franke: Gothaisches Genealogisches Handbuch der Fürstlichen Häuser. Fürstliche Häuser. Band 1. In: Stiftung Deutsches Adelsarchiv (Hrsg.): Solms. In Abteilung II. Band I der neuen Gesamtreihe GGH. Verlag des Deutschen Adelsarchivs, 2015, ISBN 978-3-9817243-0-1, ISSN 2364-7132, S. 495–500.
- ↑ Adreß-Buch der Städte und Ortschaften des Kreises Luckau umfassend die Städte Luckau, Finsterwalde, Dobrilugk, Kirchhain, Golßen und Sonnewalde sowie sämtliche Landgemeinden. Ausgabe 1935. Verlag Albert Heine, Cottbus 1935, PDF-Opus4-S. 270.
- ↑ Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha, unter Mitarbeit von Arturo E. Beéche: I did it my way …: die Lebenserinnerungen Seiner Hoheit Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha. Eurohistory.Com, Gotha / Coburg / East Richmond Heights CA 2016, ISBN 978-1-94420706-9, S. 19 f.
- ↑ Brandenburgisches Landeshauptarchiv BLHA (Hrsg.): Verwaltung des Grundbesitzes des Grafen (Fürsten) Friedrich zu Solms-Baruth nach seiner Verhaftung am 21. Juli 1944; 1944 (Akte). BLHA Rep. 2A III D 25864. Potsdam, Baruth (Mark) 21. Juli 1944, S. 1 f. (brandenburg.de).
Koordinaten: 51° 56′ 3,5″ N, 13° 41′ 53″ O